Korkernte

Drei Fragen an den Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)

Warum der NABU Produkte aus Kork empfehlenswert findet, sich für Produkte und Materialien stark macht, die zu 100 Prozent recyclebar sind und wie er die aktuellen Entwicklungen in der Entsorgungs- und Verwertungswirtschaft sieht, dazu haben wir Guido Teenck, Projektleiter der KORKampagne des NABU, und seinen Kollegen Dr. Benjamin Bongardt, Leiter Ressourcenpolitik beim NABU, befragt.

Warum sind Produkte aus Kork empfehlenswert?

Guido Teenck, Projektleiter der KORKampagne des NABU:

„Kork ist ein Naturprodukt und ein nachwachsender Rohstoff mit besonderen Eigenschaften: Kork ist fest aber elastisch, leicht, Wasser abweisend, schwer entflammbar, schall- und vor allem wärme-isolierend. Kork eignet sich aufgrund dieser besonderen Qualitäten hervorragend für den ökologischen Hausbau, so beispielsweise als natürlicher und gesunder Dämmstoff und als Bodenbelag. Zudem kann Kork vollständig recycelt und das dabei gewonnene Granulat auf viele verschiedene Arten wiederverwertet werden. Gleichzeitig gehören die traditionell genutzten Korkeichenwälder zu den artenreichsten und wertvollsten Ökosystemen Europas. Sie existieren nur dank der jahrhundertealten Korkeichenwirtschaft, die eines der besten Beispiele für ein nahezu ausgewogenes Zusammenleben von Mensch und Natur ist. Könnten die Korkeichen nicht mehr rentabel genutzt werden, wären die Flächen anderen Nutzungen preisgegeben. Dadurch sind nicht nur tausende Arbeitsplätze in der Korkwirtschaft gefährdet, auch der wertvolle Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten ist bedroht.“

Welchen Stellenwert haben für Sie Produkte, die zu 100 Prozent recycelbar sind?

Dr. Benjamin Bongardt, Leiter Ressourcenpolitik beim NABU:

„Weniger Müll, mehr reparieren, weiterverwenden und recyceln – das sind für den NABU die Schlüssel für mehr Umweltschutz durch Kreislaufwirtschaft. Es ist effizienter und damit klimafreundlicher, Wertstoffe zu recyceln, als diese aus Primärmaterial neu herzustellen.

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Außerdem werden Rohstoffe dadurch geschont. 100 Prozent Recycling kann nur erreicht werden, wenn Hersteller dieses Ziel schon bei der Produktgestaltung einplanen, die Verbraucherinnen und Verbraucher getrennt sammeln und die Verwertungsindustrie ihre Prozesse darauf ausrichtet und nicht immer den billigsten Weg geht. Beim Wertstoff Kork beispielsweise verbessert das relativ einfache Recycling die ohnehin schon gute Öko- und Kohlendioxid-Bilanz des Materials, da es nicht als Müll verbrannt wird. Wenn Recyclingkorkgranulat als Dämmstoff verwendet wird, ist das eine hochwertige Verwertung.“

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Ist für Sie eine Trendwende von der Wegwerfgesellschaft hin zu einer Gesellschaft, die langlebige bzw. recycelbare Produkte bevorzugt, absehbar?

Dr. Benjamin Bongardt, Leiter Ressourcenpolitik beim NABU:

„Um diese Trendwende zu erreichen, muss noch einiges geschehen. Wichtig ist es zunächst einmal, die anfallenden Müllmengen zu reduzieren. Dafür müssen Industrie und Handel weiter daran arbeiten, dass Produkte langlebig und recycling-fähig sind. Und Verbraucher sollten Produkte so kaufen und nutzen können, dass möglichst wenig Abfall entsteht. Die Maxime für Wirtschaft und Politik ist, dass ressourcenschonendes Verhalten ohne einen Mehraufwand und ohne offensichtliche Preisunterschiede in der Geschäftswelt möglich gemacht wird. Umweltpolitisch wird es darauf ankommen, die stoffliche Verwertung gegenüber der energetischen besserzustellen und damit auch wirtschaftlich auszubauen. Denn es landet immer noch viel zu viel Abfall in der Verbrennung. Dabei werden wertvolle Stoffe vernichtet, die wiederverwertet eine neue Nutzung erhalten könnten.“

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